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Nachrichten und Presse
Sie haben den Teufel gerufen
Bexbacher Waldorf-Schüler der Klassenstufe elf wagten sich mit großem Erfolg an Millers "Hexenjagd" heran
Bexbach. Zuerst tanzen, dann kreischen sie wie die Wilden. Der Raum verfinstert sich. Es wird stockdunkel. Reverend Parris hat sie ertappt. Sie, das ist eine Gruppe junger Mädchen, die unter Anleitung der Sklavin Tituba nachts im Wald einen Liebeszauber ausgeübt haben. In der strenggläubigen Gemeinde Salem im US-Bundesstaat Massachusetts im Jahr 1692 wird derartiges Handeln verdammt, ja schlimmer, es wird mit Hexerei gleichgesetzt. Und Hexerei wird mit dem Tod bestraft. So beginnt Arthur Millers Drama "The Crucible, Hexenjagd". In der Waldorfschule Saarpfalz in Bexbach wurde das 1953 uraufgeführte Stück gleich zwei Mal von Schülern der Klasse elf in englischer Sprache präsentiert.
Mädchen fallen in Ohnmacht
Was ist wirklich geschehen mit den Mädchen in jener Nacht, rätseln Verwandte, Bekannte und Bewohner von Salem? Von Reverend Parris (Daniel Stapelmann in der Aufführung am Samstag, Christoph Trabert in der Aufführung am Freitag) bei dem verbotenen Akt erwischt, fielen einige der Mädchen vor Schreck in Ohnmacht und wollten danach, aus Angst vor Bestrafungen, offenbar gar nicht mehr wach werden. Betty Parris (an beiden Abenden Sophie Wagner) zum Beispiel, um deren Bett sich die erste Szene abspielt. Im Gespräch mit Abigail Williams (Katharina Bienioßek/Mariam Fathy), Mercy Lewis (Janina Kihm/Anna-Lena Guth) und Marry Warren (Anne de Cuveland/Laura Franke) versuchen Reverend Parris, Reverend John Hale (Benedikt Krebs/Tim Bentz) und andere herauszufinden, was mit Betty und den anderen Mädchen passiert ist. War es Tituba (Carolin Lambert/Svenja Gehring)? "Oder haben sie etwa den Teufel gerufen?" Ist er in einer oder gar mehreren Personen zu ihnen gekommen? "Wer waren sie? Nennt ihre Namen", drängen die Männer die Mädchen in die Enge. Das Gerücht, die scheinbar kranken Mädchen seien Opfer des Teufels geworden, verbreitet sich in Windeseile. Angst, Halbwahrheiten und Intrigen lösen in der Gemeinde eine Massenhysterie aus, die die Bewohner schließlich in eine Hexenjagd treiben. In dieser Situation erkennt Abigail Williams, dass sie die Verfolgung dazu nutzen kann, die Frauen, die ihr unliebsam sind, der Hexerei zu beschuldigen und damit sich und die anderen Mädchen vor der Hinrichtung zu schützen. Dadurch erhofft sie sich auch Elisabeth Proctor (Charlotte Sander/Johanna Lezius), die Ehefrau ihres Geliebten, John Proctor (Jörn Hosszu/Jonas Wichert und Jan Henner), am Ende vernichten zu können. Als ihr das nicht gelingt, stürzt sie auch ihn ins Unglück.
Ein starkes Stück, ein starkes Thema, von den Schülerinnen und Schüler der Klasse stark in Szene gesetzt und in englischer Sprache umgesetzt. Angeleitet und unterstützt wurden sie dabei von Vera Weighardt-Buth, ihrer Klassenbetreuerin und Englischlehrerin, Astrid Moos-Lange, Eurythmie-Lehrerin und Regisseurin des Stücks, Joachim Karsten, Handwerk- und Kunstlehrer und hier Gestalter des Bühnenbildes, Enzio Ziegler, Eurythmie-Lehrer und zuständig für die Beleuchtung, Ingrid Bold, Englischlehrerin und behilflich bei der Auswahl der Kostüme sowie Katharina Sander, Musiklehrerin und musikalische Beraterin. "Das sind Glücksgefühle, für die es sich lohnt, Lehrer zu sein", beschrieb Weighardt-Buth während der Pause bei der Aufführung am Samstagabend ihre Stimmung. "Ich freue mich mit den Schülern und für die Schüler, dass uns diese Aufführungen gelungen sind." Denn in einer fremden Sprache einen solchen Text auswendig zu lernen und im Zusammenspiel mit anderen auf der Bühne aufzuführen, sei ein schwieriger Prozess. Dass die Mädchen und Jungen diese, unabhängig von Lehrplänen frei gewählte Aufgabe gemeistert haben, ist eine bemerkenswerte Leistung. Weighardt-Buth ist sich sicher, dass ihre Schüler diese Erfahrung nicht vergessen werden.
Zusammenhalt der Klasse gestärkt
Während der Hexenjagd-Aufführung wurde sie in dieser Vermutung von einem ehemaligen Schüler bestätigt. Der habe 1984 bei der Aufführung von Alan Ayckbourn mitgewirkt und könne Passagen daraus noch heute auswendig. Zwei Dinge würde sie bei einem vergleichbaren Projekt wie der Hexenjagd in Zukunft allerdings anders machen: "Ich würde sprachliche Fehler von Anfang an stärker zu unterbinden versuchen, denn was man von Anfang an falsch macht, kriegt man später kaum noch weg. Und ich würde mit meinen Schülern früher auf der Bühne proben, denn erst im szenischen Spiel kommt der Text richtig zum Ausdruck und wird zuweilen auch erst dort richtig verstanden." Weighardt-Buth ist überzeugt, dass durch das Hexenjagd-Projekt der Zusammenhalt in der Klasse noch stärker geworden ist und dass sich durch solche Aktionen das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern in gewisser Weise entkrampft. "Ein Klassenraum ist ja doch etwas sehr enges. Aber jetzt ist es auch gut, dass wir wieder dorthin zurückkehren", so die Klassenbetreuerin gegenüber unserer Zeitung. id
Quelle: Saarbrücker Zeitung
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