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Anmutige Miniaturbilder reinster Menschlichkeit vermittelt
In anthroposophisch orientierten Einrichtungen gehören die Oberuferer Weihnachtsspiel traditionell zur Weihnachtszeit/Interne und öffentliche Aufführungen
Von unserer Mitarbeiterin Anita Medick
Welzheim
Was ist das Beste, was man an einem grauen, verregneten Samstagnachmittag kurz vor Weihnachten unternehmen kann? Der Christbaum ist gekauft, die Plätzchen gebacken, die Weihnachtspost geschrieben? Eine der guten Möglichkeiten am vergangenen Samstag war gewiss der Besuch im Christopherusheim in der Laufenmühle; das zeigte sich auch an der erfreulichen Besucherzahl. Wie jedes Jahr wurde dort das so genannten Christgeburtsspiel von Mitarbeitern und betreuten Menschen der Einrichtung intern und öffentlich aufgeführt.
Dieses Spiel, in dem viel gesungen wird - allseits bekannte adventliche Melodien sind dabei - ist das Kernstück der dreiteiligen Oberuferer Weihnachtsspiele, bestehend aus dem Paradeisspiel, dem Christgeburts- und dem Dreikönigsspiel. In anthroposophisch orientierten Einrichtungen gehört deren Aufführung traditionell zur Weihnachtszeit.
Was ist der historische Hintergrund dieser Spiele? Nach Quellenangaben gehen sie in ihrer Entstehung auf das 16. Jahrhundert zurück, von deutschen Einwanderern mitgebracht aus Oberufer, einem Dorf im ungarischen Bergland. Sie sind im damaligen Volksdialekt geschrieben und vermitteln wahrhaftige und anmutige Miniaturbilder reinster Menschlichkeit. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hat durch seinen Freund, den Lehrer Karl Julius Schroer, diese Spiele vor der Vergessenheit bewahrt. Die Aufführungen begannen 1910 in Berlin und finden ihre Fortführung bis heute im ganzen deutschsprachigen Raum.
Für das Entstehen einer herzlichen und freudigen Weihnachtsstimmung gilt heute noch das gleiche wie in früheren Zeiten: Spieler und Zuschauer tragen gleichermaßen durch inneres und äußeres Mitgehen, ihr Präsentsein, ihre Wahrnehmungen und ihr Fühlen dazu bei.
Genau dies geschah auch dieses Jahr wieder bei der von Spielleiter Bernd Bachmann eingeübten Aufführung: Die Spieler gaben ihr Bestes, und das Publikum ließ sich gerne mit einbeziehen. Ob es die vier Hirten waren, die mit ihren gänzlich verschiedenen Temperamenten die Zuschauer begeisterten mit heiteren und besinnlichen Szenen, ob die Wirtsleute in ihren bunten Joppen waren, die Heilige Familie mit der wunderschön, ganz in blau und rot gekleideten Maria und dem in verhaltenem Braun gewandeten Josef, der strahlend voranschreitende Engel oder der freundliche Sternsinger das, herzliche Spiel hat nichts von seiner Frische und Lebendigkeit verloren.
Dies wird unterstrichen von dem einfachen, aber liebevoll gestalten Bühnenbild mit ein paar frisch eingeschlagenen Tannen, Holzbänken und der mit Stroh ausgekleideten Krippe in der Mitte des Bühnenraums. Die überwiegend warmen Farben und die stimmungsvolle Beleuchtung trugen das ihre bei.
Die Aufführung hat eine lange Tradition
Auch heute, in unserer betriebsamen Zeit, ist uns der Ablauf des Weihnachtsgeschehens noch vertraut: Die auf dem freien Feld schlafenden Hirten haben Visionen, und sie entdecken den alles überstrahlenden Stern, der sie schließlich nach Bethlehem zur Anbetung des neu geborenen Kindes im Stall führt. Maria und Josef finden nach mühevoller Wanderung endlich eine karge Unterkunft, in dem das Kind zur Welt kommen kann. Das ist die Mitte des Geschehens, und der Sinn des Spiels ist erfüllt, wenn Spieler und Zuschauer in ihrer eigenen Mitte, man kann auch sagen: in ihrem Herzen, etwas vom Wesen der Weihnacht spüren.
Der Ablauf der Geschichte ist weitgehend vertraut
Und deshalb ist es einfach gut, wenn möglichst viele Menschen einer solchen Einladung folgen - sich trotz aller Hektik Zeit nehmen, um sich selbst und anderen durch den Besuch dieses Spiels eine Freude zu machen.
Quelle: Welzheimer Zeitung
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