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Ihren Traumberuf Lehrerin hat sie noch nicht aufgegeben

Jena (OTZ). "Wenn ich etwas aus meiner Zeit als Politikerin gelernt habe, ist es, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt." Katrin Göring- Eckardt sitzt seit 1998 für die Grünen im deutschen Bundestag, in diesem Jahr will sie zum zweiten Mal gewählt werden.







Göring-Eckardt wurde am 3. Mai 1966 in Friedrichroda geboren, aufgewachsen ist sie jedoch in Gotha. Dort hatten ihre Eltern eine eigene Tanzschule. Die Schule durchlief sie ohne Besonderheiten. "Ich gehörte nicht zu denen, die andauernd den Widerstand geprobt haben", erinnert sie sich.



Ihre ersten politischen Erfahrungen machte Göring-Eckardt in der jungen Gemeinde. Zu Hause war Politik für sie oft Anlass für heftige Auseinandersetzungen. "Mein Vater war Fan von Franz-Josef Strauß, das passte mir schon damals überhaupt nicht", erzählt sie.



Da ihr Traumberuf Lehrerin in der DDR für sie nicht in Frage kam, entschloss sich Göring-Eckardt, ein Theologiestudium in Leipzig zu beginnen, das sie allerdings nie zu Ende brachte.



1988 heiratete sie, 1989 kam ihr erster Sohn zur Welt. Die Wendezeit erlebte sie so als junge Mutter. Dennoch war sie politisch sehr aktiv, das Kind wurde zu Demonstrationen einfach mitgenommen.



Seit dem Studium hatte sie sich auch in verschiedenen politischen Gruppen wie der "Solidarischen Kirche" und "Frauen für den Frieden" engagiert. Nach der Wende war sie Gründungsmitglied von "Demokratie jetzt" und "Bündnis 90".



1991 wurde ihr zweiter Sohn geboren. "Meine Kinder waren immer eine Art natürliche Bremse für mich", sagt Göring-Eckardt. "Dank ihnen habe ich nie den Kontakt zum wirklichen Leben verloren."



Heute lebt Göring-Eckardt mit ihrer Familie in der Nähe von Erfurt. Ihr Mann ist dort evangelischer Pfarrer. Ihre Kinder gehen allerdings auf die Waldorfschule in Weimar.



Eine spontane Antwort erhält man, wenn man Göring-Eckardt nach ihren Hobbys fragt. "Also Bügeln sicher nicht!", sagt sie und lacht. Dafür geht sie gerne tanzen, "das habe ich wohl von meinen Eltern". Regelmäßiges Joggen hilft ihr zudem "den Kopf frei zu kriegen."



Schließlich kann ein Arbeitstag von Göring-Eckardt schon einmal 17 Stunden lang werden. Seitdem sie erste parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion ist, bleibt ihr auch nicht mehr so viel Zeit für ihre eigentlichen politischen Schwerpunkte, die Gesundheits-, Renten-, und Familienpolitik. "Am Anfang der Legislaturperiode mussten auch die unbeliebten Aufgaben verteilt werden", erinnert sie sich. "Andrea Fischer, die damals Gesundheitsministerin wurde, hat mich gefragt, ob ich nicht mir ihr zusammenarbeiten will. So bin ich zur Gesundheitspolitik gekommen."



Zu ihren größten Erfolgen zählt sie die Fotschritte im Bereich der Behindertenpolitik. Aber auch schwierige Momente galt es in den letzten vier Jahren zu überstehen. "Vor der Entscheidung zum Kosovo- Krieg konnte ich mehrere Nächte nicht schlafen", erinnert sich Göring- Eckardt.



Frustrierend findet sie, wenn manche Ideen nur langsam umgesetzt werden. "Nach zwei Jahren Regierung haben wir nur noch auf Granit gebissen, es sah ja auch gut aus mit nur noch 3,5 Millionen Arbeitslosen."



So ist auch bis heute nicht sicher, ob Katrin Göring-Eckardt trotz Platz eins der Thüringer Landesliste in den Bundestag einziehen wird. "Daher ist es auch immer wichtig, schon Pläne für die Zeit nach der Politik zu haben", sagt sie, "Lehrerin ist immer noch mein Traumberuf, vielleicht klappt das ja noch. Ich kann mir aber auch vorstellen, mal eine Zeit in New York zu leben."



05.09.2002
Quelle: Ostthüringer Zeitung

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