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DAS HOFER ,,LA COUR QUARTETT''

Vom Sonnenaufgang zur Sommernacht

VON MICHAEL THUMSER



La cour : So kann man, mit ein bisschen Fantasie, den Namen der Stadt Hof ins Französische übersetzen. Hier, in Hof, stehen die Künstler des La Cour Quartetts als Mitglieder der Symphoniker in Lohn und Brot. Kammermusikalisch feierten sie im vergangenen Jahr in der Hofer Waldorfschule ihren beeindruckenden Einstand mit Schubert und Ravel. Am Montag, beim zweiten Konzertabend am selben Ort, erwiesen sie sich abermals, nun mit Werken von Haydn und Mendelssohn, als eigenständige Musikausleger - kurz und bündig, schnörkel- und zugabenlos.



HOF - Vielleicht haben wir heute, von Bildern übersatt, zu wenig Fantasie. Den visuell minder versorgten, darum hellhörigeren Zeitgenossen Joseph Haydns genügten vor gut 200 Jahren vier leise Takte aus Viertel- und Achtelnoten, in denen die Violine anmutig sich nach oben schwingt - schon erstand vorm geistigen Auge die Impression eines Morgens mit dem erwachenden Licht einer himmelwärts wandernden Frühsonne...



,,Sonnenaufgang'' lautet der Beiname für Haydns Streichquartett opus 76/4, mit dem das La Cour Quartett den Anfang machte. Vom stimmungsvollen Titel ließen sich die Geiger Dennis Theis und Ulrich Könner, der Bratschist Hitoshi Honda und Andreas Mutschler am Cello nicht verführen. Klassizistisch blieb ihr Ansatz, trotz ,,romantischer'' Klangdichte- und fülle; um Farbenspiel ging es ihnen durchaus, nicht indes um die Bildfolge einer morgendlichen Programmmusik.



Überredungskunst, die den Raum füllt



Primgeiger Theis, melodisch wendig, und Mutschler, der mit den baritonalen Überredungskünsten seines Violoncellos sonor den Raum füllt - sie bilden den Rahmen des Quartettklangs, in den sich die zweite Violine und die Bratsche mit Anpassungsfähigkeit und Bewegungsfreiheit einfügen. Auch sie, als Mittelstimmen, legen sich nicht fest, bleiben geschmeidig und autark. Vielleicht, dass Könner und Honda noch ein wenig stolzer mit ihren ausgefeilten Rollen hervortreten dürften; immerhin wies Joseph Haydn, als einer der ,,Erfinder'' der modernen Streichquartett-Gattung, jedem der vier Akteure einen unentbehrlichen Eigenwert zu.



Ihn schöpfen gleichwohl alle vier genügsam aus - im Kopfsatz mit kompakter wechselseitiger Ergänzung in der Stimmführung und sorgsamer Mischung der Dichteverhältnisse, im folgenden Adagio durch behutsamen, aber steten Vorwärtsdrang und gespannte Tongebung. Das ländlich-folkloristisch untertönte Allegro-Menuett, das die Künstler nicht allzu robust nehmen, bereitet schon das Finale vor: Keinen Rausschmeißer inszenieren die Künstler da, eher ein gemütvolles Zu-Ende-Bringen - bis die stürmische Schluss-Stretta die Instrumente doch noch einmal gehörig durcheinander wirbelt, freilich ohne sie zu verwirren.



Zwiespältige Romantik



Als die klassizistischsten Streichquartette Felix Mendelssohn Bartholdys werden die drei Kompositionen seines Opus 44 deklariert - in dieser Hinsicht schließt sich die Nummer zwei in e-Moll nach der Pause komplementär ans Haydn-Werk an. Allerdings macht sich nun, in schillernder Dramaturgie aus Hell und Dunkel, eine stets zwiespältig empfindende Romantik breit. Deren mehrdeutige Gebärdensprache ergründet das La Cour Quartett reaktionsbereit, ohne sich dabei sentimental oder affektiert vom ,,klassischen'' Auftakt des Abends allzu sehr abzusetzen.



In tiefer Bedenklichkeit lassen die Musiker den ersten Satz erstehen, den sie alsbald hektisch beleben; doch allen vorübergehend versöhnlicheren Wendungen zum Trotz: Wirklich aufhellen wollen sie ihn nicht. Ähnlich das Finale: Mit dunkel-schlagartigem Akzent beginnt's und entfaltet fortan eine mürrische Geläufigkeit, in der Abschnitte mondäner Seelenvergnügtheit Episode bleiben. Dagegen stehen die Binnenteile: das flirrende Scherzo, das eine Weile recht handfest gerät, bis überm Cello-Pizzicato Schmelz sich ausbreitet; und das anschließende Andante - in ihm stimmt Theis' erste Geige ein anheimelndes ,,Lied ohne Worte'' an, das Mutschlers Cello später aufgreift, voll von noblem Pathos.



Sich das eine Mal eine verspielte Szene aus dem ,,Sommernachtstraum'', das andere Mal einen verliebt schwärmenden Serenadensänger vorzustellen - so weit reicht die Fantasie, auch unsere heute, allemal.



Nächstes Kammerkonzert in der Hofer Waldorfschule: am 28. Juni mit dem georgischen Klaviertrio ,,Daphioni'' (Musik von Schostakowitsch, Schnittke, Dvo»rák).
Quelle: Frankenpost

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25. November 2007
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